Obertshäusener Weihnachtsmarkt – Flair auch ohne Fachwerk

Welcher Adventsmarkt ist wohl der schönste? Der in Frankfurt oder Wiesbaden oder doch der in Nürnberg? Schwer zu entscheiden, da hat wohl jeder Besucher eigene Vorlieben und Erfahrungen. Von Michael Prochnow

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© Michael

Der wichtigste aber ist der näheste, das bunte Treiben vor der eigenen Haustür. Die Obertshausener Version an der evangelischen Waldkirche hat seit ihrem Auftakt vor zwei Jahren ein zauberhaftes Flair entwickelt, das zumindest in Region einzigartig ist.

Es funktioniert also auch ohne historisches Fachwerkgebälk und ehrwürdige Ruinen im Rücken. Die hohen Bäume vorm dunkelblauen Nachthimmel und die geschmackvolle Lichterdekoration an den Buden, die Anordnung in zwei Kreisen zu einem großen Marktplatz und vor allem das fast durchgängige Programm im Gotteshaus, all das gibt’s nur im Herzen der „liebenswerten Kleinstadt“.

Bevölkerung in großer Zahl angezogen

Es hat einige Jahre gedauert, bis die Organisatoren vom Vereinsring um den Vorsitzenden Luis Galvez die Form gefunden haben, die am Wochenende die Bevölkerung in großer Zahl angezogen hat.

Diesmal bildeten die Kroaten mit einem großen Zelt den Abschluss auf der Ostseite – Treffpunkt bei heißem Slibowitz und Pleskavica. DieBundeswehrreservisten sorgten mit Tischen und Bänken für einen gemütlichen und etwas ruhigeren Aufenthalt bei Erbsensuppe und Würstchen hinter dem Trubel.

Und während einige gemeldete Standinhaber noch abgesagt hatten, zeigten spanischer Elternverein und Malteser Flexibilität: Die einen nutzten eine Hütte am Samstag, die anderen dieselbe am Sonntag. Sie standen im Garten zwischen dem Gemeinde- und dem Pfarrhaus, dessen Zugang DJ Leo noch rasch mit Rindenmulch auslegen ließ. Mit der bunten Beleuchtung der Beschicker entwickelte sich auf diesem Areal in der Abenddämmerung eine märchenhafte Atmosphäre. Ein großes Plus waren die heuer zahlreicheren Buden mit Kunstgewerbe und Selbstgebasteltem unter den ingesamt 28 Ständen.

Anbieter kreativer und selbst gestalteter Artikel ließen sich gewinnen, nachdem die Standgebühr für jene, die keine Speisen und Getränke anbieten, gesenkt wurde. Sie bereicherten den Markt und machten den Bummel interessanter. Das gilt in besonderer Weise für das hochkarätige Programm in der Kirche. An beiden Tagen traten die ausgezeichneten und gern gehörten Gruppierungen aus Musikschule und Vereinen auf den Altarstufen auf. Die Klänge der Trommelgruppe, des evangelischen Kirchenchors, des Chor ‘84 und des TGS-Blasorchester wurden obendrein ins Freie übertragen und ersetzten den Einheitsbrei von der CD.

Der Mühlheimer Michael Stumpf schuf Stimmung mit eigenen Gedichten, die rührigen Gastgeber von der evangelischen Gemeinde präsentierten ihr Mitglied Simon Kümmling mit Gitarre und Gesang. Auch Marianne Wycisk und der erst 14-jährige Pianist Vincent Knüppe wollten einen zarten Hauch von Weihnacht verbeiten.

Quelle: Offenbach Post 17.12.2012 Link